IT Prozesse

Cloud-Kostenoptimierung mit FinOps

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2026

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Ein stilisiertes Euro Symbol in Glasoptik vor einem Farbverlauf.

Cloud-Computing ermöglicht es Unternehmen, ihre Infrastruktur flexibel zu skalieren und sie so an veränderte Anforderungen anzupassen. Mit entsprechenden Kostenmodellen stellen Unternehmen außerdem sicher, dass sie nur für die Services und Instanzen zahlen, die sie tatsächlich nutzen. Dennoch fallen die Rechnungen für Cloud-Services häufig höher aus als gedacht, sodass das Cloud-Kostenmanagement inzwischen oft einen ähnlich dynamischen Ansatz benötigt wie die Cloud-Infrastruktur selbst. Wie die Kostenoptimierung die Cloud transparenter und kostengünstiger gestalten kann und wie das FinOps-Modell Unternehmen auf diesem Weg unterstützen kann.  

Das Wichtigste in Kürze

90 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen die Cloud. Allerdings kämpfen auch 84 Prozent von ihnen mit intransparenten Kosten als größte Herausforderung. Das FinOps-Framework bietet Unternehmen einen bewährten Ansatz für die Cloud-Kostenoptimierung. Es schafft eine Kultur rund um verantwortliche Nutzung der Cloud und unterstützt in einem iterativen Prozess dabei, Kostenstrukturen zu identifizieren und zu optimieren.  

Gründe für Cloud-Kostenoptimierung: Intransparente Cloud-Kosten und mehr

Laut dem Bitkom Cloud Report 2025 nutzen inzwischen 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Services, 50 Prozent wiederum setzen auf eine Cloud-First- oder -Only-Strategie und setzen vorzugsweise oder ausschließlich auf die Cloud, um ihre IT-Infrastruktur abzubilden. Im State of the Cloud Report geben jedoch auch 84 Prozent der Unternehmen das Cloud-Kostenmanagement als ihre größte Herausforderung an.  

Mit komplexeren Cloud-Infrastrukturen und Multi-Cloud-Szenarien steigt auch die Komplexität der Kosten, sodass vor allem die Transparenz zum Problem werden kann. Es fehlt Unternehmen schlicht am Überblick über die aktuellen Kostenpunkte, insbesondere, wenn es keine zentrale Anlaufstelle für den Bezug neuer Cloud-Services gibt, sondern Abteilungen beispielsweise eigenständig SaaS-Lösungen buchen können.  

Cloud-Kostenoptimierung ist letztendlich ein proaktiver Ansatz für die Verwaltung der Ausgaben für die Cloud. Ziel ist es einerseits, die bestehenden Cloud-Kosten zu reduzieren, andererseits aber auch grundlegend dafür zu sorgen, dass alle Investitionen in die Cloud den bestmöglichen Outcome bringen. Mit verschiedenen Tools, Best Practices und Strategien können die Kosten aufgedeckt, analysiert und schließlich optimiert werden, sodass Ressourcen effizient genutzt und Verschwendung vermieden wird. Daraus ergeben sich verschiedene Vorteile für Unternehmen:  

  • Ein maximierter ROI, indem richtige Preismodelle gewählt und Überbereitstellung vermieden wird
  • Bessere Budgetierung, da Kosten besser vorhergesagt und geplant werden können
  • Gesteigerte Agilität, da auch Ressourcen effizienter zugewiesen und Strategien angepasst werden können

Mit welchen Methoden kann Cloud-Kostenoptimierung umgesetzt werden?  

Die Preisstruktur in der Cloud gestaltet sich komplex, insbesondere dann, wenn Cloud-Services mehrerer Anbieter zum Einsatz kommen. Dennoch gibt es mehrere Möglichkeiten, die Kosten zu minimieren und gleichzeitig die Rendite zu maximieren. Beispielsweise können Unternehmen sich auf Cloud-native Systeme konzentrieren. Wurden Plattformen und Software spezifisch für die Cloud entwickelt, nutzen sie ihr Potenzial voll aus, im Gegensatz zu bestehender Legacy-Software, die in ihrer Funktionalität eingeschränkt sein kann oder mehr Cloud-Kapazitäten benötigt, um wie gewohnt zu funktionieren.  

Möglichkeiten der Cloud-Anbieter nutzen

Um den direkten Rechnungsbetrag des Cloud-Anbieters zu reduzieren, können Unternehmen beispielsweise auf Reserved Instances zurückgreifen. Viele Provider wie Microsoft Azure bieten Rabatte an, wenn ihre Kunden feste Kapazitäten im Voraus reservieren. Mit entsprechend sicheren Prognosen können Unternehmen von eben diesen Reservierungen profitieren.  

Abläufe optimieren und Kosten identifizieren

Oft sind ungenutzte Ressourcen im Einsatz, die weiterhin Kosten verursachen oder bestehende Ressourcen sind zu umfangreich dimensioniert. Wichtigste Grundlage für Kostenoptimierung in der Cloud ist immer Transparenz über alle eingesetzten Ressourcen und ihre Kosten. Auf dieser Basis können schlussendlich Lösungen gefunden und Entscheidungen getroffen werden, ob Ressourcen gekündigt oder anders abgebildet werden können, um Kosten einzusparen.  

Das FinOps-Framework als Unterstützung in der Cloud-Kostenoptimierung

Statt eigene Prozesse für die Identifikation und Optimierung von Cloud-Kosten zu erarbeiten, können Unternehmen auf das bestehende FinOps-Framework zurückgreifen. Entwickelt von der FinOps-Foundation hat das Framework das Ziel, den Geschäftswert der Cloud zu maximieren, datengetriebene Entscheidungsfindungen möglich zu machen und zeitgleich die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Teams im Unternehmen zu fördern. Es soll als operatives Rahmenwerk und kulturelle Praxis im Unternehmen eingeführt werden und basiert dabei auf mehreren Prinzipien:  

  • Teams müssen zusammenarbeiten.  
  • Jeder übernimmt Verantwortung für seine Technologienutzung.  
  • FinOps soll von einem zentralen Team eingeführt werden.  
  • Der Geschäftswert treibt die Entscheidungen an.  
  • FinOps-Daten sollen zugänglich, aktuell und genau sein.  
  • Das variable Kostenmodell der Cloud soll genutzt werden.  

In der Praxis bedeutet das etwa, dass ein zentrales FinOps-Team gebildet wird, aber auch einzelne Teams im Unternehmen die Verantwortung für ihre Cloud-Ausgaben übernehmen. Grundsätzlich wird ein Bewusstsein für und Transparenz über die Cloud-Kosten geschaffen, sodass Services kostengünstiger und effizienter genutzt werden können.  

Vorteile von FinOps für die Kostenoptimierung in der Cloud

Das FinOps-Framework bringt die grundlegenden Vorteile der Kostenoptimierung in der Cloud mit sich:  

  • Unternehmen können ihre Cloud-Kosten reduzieren und Mehrausgaben vermeiden.  
  • FinOps sorgt für Echtzeit-Einblicke in Cloud-Nutzung und -Kosten und verbessert damit Finanzplanung und Budgetierung.  
  • Das Framework ermutigt die teamübergreifende Zusammenarbeit und die Verantwortlichkeit innerhalb einzelner Teams für ihre Cloud-Kosten.  
  • FinOps ermöglicht einen kulturellen Wandel hin zu datengesteuerten Entscheidungsfindung, wenn es um Ausgaben rund um die Cloud geht.  

Zusätzlich dazu profitieren Unternehmen jedoch vom Einsatz eines erprobten Frameworks. Laut dem State of the Cloud Report 2025 haben inzwischen 59 Prozent der Unternehmen, in denen die Cloud zum Einsatz kommt, ein FinOps-Team, das für die Kostenoptimierung verantwortlich ist. Unternehmen können über die Foundation auf eine Asset Library mit Best Practices und Erklärungen rund um die Kostenoptimierung zugreifen, sich in der Community austauschen oder an Trainings teilnehmen, die die Anwendung des Frameworks erklären.  

Cloud-Kostenoptimierung in 3 iterativen Schritten mit FinOps

Das FinOps-Framework basiert auf einem iterativen Modell, in dem drei Phasen immer wieder wiederholt werden, um kontinuierlich die Cloud-Nutzung und -Kosten zu optimieren.  

Schematische Darstellung der FinOps Kostenoptimierung.

In der ersten Phase, Inform, geht es darum, Informationen zu sammeln und die aktuelle Cloud-Nutzung zu verstehen. Auf Basis dieser Informationen können Analysen und Reportings erstellt werden, die Transparenz über die Kosten schaffen. Sinnvoll ist es in dieser Phase, Kosten basierend auf Konten, Tags oder anderen Regeln klar zuzuweisen. Ziel ist es, die aktuellen Cloud-Kosten und die relevanten Leistungskennzahlen zu definieren. Praktisch bedeutet das beispielsweise, dass das Unternehmen Dashboards aufbaut und automatisierte Reportings erstellt, über die Teams geregelt einen Übersicht über die aktuellen Cloud-Ausgaben im Projekt erhalten. Dadurch können beispielsweise überdimensionierte Instanzen und nicht genutzte Ressourcen sichtbar werden.  

Die zweite Phase, Optimize, legt den Fokus darauf, die Ressourcennutzung effizienter zu gestalten und unnötige Kosten zu vermeiden. Einerseits kann das über Angebote rund um Consumption Commitments oder Rabatte von Cloud-Providern umgesetzt werden, andererseits aber auch über die Optimierung von internen Prozessen, die zu geringer Kosteneffizienz führen. In der Praxis kann das bedeuten: In der Inform-Phase wurde deutlich, dass Ressourcen nur punktuell gebraucht werden. Das Team kann also auf ein anderes Vertragsmodell mit On-Demand-Instanzen umsteigen oder die Ressourcen an Randzeiten abschalten, sodass Kosten gespart werden können.  

Die dritte Phase, Operate, ist dafür da, die Veränderungen zu überwachen und kontinuierlich weiter zu optimieren. Die vorangegangenen Phasen werden hier in die Praxis umgesetzt, etwa durch die Einführung neuer Governance-Richtlinien, Monitoring oder die Befähigung der Mitarbeitenden durch Schulungen. Entstehen währenddessen wieder neue Herausforderungen oder Fragen, beginnt der Prozess zu dieser Herausforderung erneut in der Inform-Phase. Praktisch können Unternehmen das beispielsweise durch regelmäßige FinOps-Reviews umsetzen, in denen Fortschritte bewertet und neue Optimierungspotenziale identifiziert werden.  

Wichtig ist auch: Diese Phasen können unterschiedliche Abteilungen zu unterschiedlichen Themengebieten parallel durchlaufen. Verschiedene Themen können parallel behandelt werden und betreffen möglicherweise ohnehin nur einzelne Teams, während andere Teams sich auf alternative Themen konzentrieren.  

FinOps in der Praxis: Best Practices für die Cloud-Kostenoptimierung

Damit Unternehmen FinOps erfolgreich einsetzen, die Effizienz der Cloud steigern und ihre Kosten senken können, braucht es konkrete Maßnahmen und ein strukturiertes Vorgehen. Orientieren können sie sich dabei an einigen Best Practices.  

Interdisziplinäres FinOps-Team aufbauen

Zunächst gilt es, ein zentrales FinOps-Team aufzubauen. Dieses Team besteht im besten Fall aus Mitarbeitenden verschiedener Abteilungen, etwa aus Finance, Engineering, IT, Business und Management, um mehrere Perspektiven zu umfassen. So kann das Team sicherstellen, dass sowohl technische als auch betriebswirtschaftliche Aspekte in der Cloud-Kostenoptimierung berücksichtigt werden. Das Team nimmt die Rolle als zentrale Anlaufstelle für alle FinOps-Aktivitäten ein und ermutigt alle Abteilungen zur Zusammenarbeit. Wichtig ist vor allem, dass das Team ausreichende Entscheidungsfähigkeiten hat und regelmäßig in den Austausch mit der Geschäftsführung geht.  

KPIs definieren

Messbare Kennzahlen sind die Grundlage für die Bewertung aller FinOps-Aktivitäten. Häufig greifen Unternehmen hier auf KPIs wie Cloud-Kosten pro Service oder Abteilung, Kosteneffizienz verschiedener Workloads, Einsparungen durch Optimierungsmaßnahmen oder die Time-to-Market für neue Services zurück. Wichtig ist auch, dass diese Kennzahlen regelmäßig überwacht und bewertet werden, um Fortschritte zu verfolgen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.  

Tools und Technologien einsetzen

Unternehmen können spezifische FinOps-Tools einsetzen, die bei der Automatisierung der Kostenverfolgung, -analyse und -optimierung unterstützen. Die großen Cloud Provider bieten ihre eigenen Tools an, etwa den AWS Cost Explorer, Microsoft Cost Management oder Google Cloud Billing mit grundlegenden Funktionen. Zusätzlich gibt es spezialisierte Plattformen wie CloudHealth als Teil von VMWare oder IBM Cloudability, die erweiterte Analysefunktionen bieten und auch bei komplexen Kostenstrukturen für eine transparente Darstellung sorgen.  

Kennzahlen und Daten prüfen

Um langfristig verlässliche FinOps-Entscheidungen treffen zu können, sollten sowohl Kennzahlen als auch die gesammelten Daten regelmäßig geprüft werden. Konkret bedeutet das: Unternehmen sollten die Datenqualität prüfen, Kostenzuordnungen validieren und Anomalien überprüfen. Auch eine Überprüfung, ob das Tagging-System sinnvoll angewendet wird, sollte regelmäßig stattfinden. Zusätzlich sind monatliche Reviews sinnvoll, um mögliche Unstimmigkeiten frühzeitig zu erkennen.  

Fazit: Transparenz in Cloud-Kosten und durchdachtes Management mit dem FinOps-Framework

Da Cloud-Infrastrukturen vieler Unternehmen immer komplexer werden, ist auch ein entsprechendes Finanzmanagement nötig, um Kosten im Blick zu halten und die Nutzung der Cloud-Dienste zu optimieren. Im FinOps-Framework finden Unternehmen einen fundierten Ansatz, mit dem sie die Herausforderung intransparenter und unkontrollierter Cloud-Kosten angehen können. Die iterative Umsetzung der drei Phasen Inform, Optimize und Operate sorgt dafür, dass Unternehmen ihre Cloud-Kosten reduzieren und vor allem den Geschäftswert ihrer Cloud maximieren können. Letztendlich geht es bei FinOps darum, eine Kultur der kostenverantwortlichen Cloud-Nutzung zu schaffen und finanzielle Effizienz ebenso wie technologische Innovation zu fördern.  

ÜBER DEN AUTOR / DIE AUTORIN

Tobias Linden

Seit 2019 ist Tobias als Geschäftsführer bei der computech GmbH im Bereich Marketing, Produktentwicklung und New Business Development tätig. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung im Bereich Design und Marketing, insbesondere im UX/UI Design, liegt Tobias die Arbeit mit Menschen zur Schaffung von digitalen Lösungen am Herzen. Im firmeneigenen Blog teilt er Tipps, Erfahrungen und Einblicke aus dem prozessorientierten IT Bereich, um Digitalisierung zugänglicher und verständlicher zu machen.